Die 3-Punkte-Strategie für den Umgang mit der Angst

Die 3-Punkte-Strategie für den Umgang mit der Angst

 

Durch die totale Finsternis zum Tanz der Vampire: Die 3-Punkte-Strategie für den Umgang mit der Angst 

»Sei bereit ….«

Kennst du das Musical Tanz der Vampire? Ich hatte die Gelegenheit, mit einigen Seminarteilnehmern Anfang 2020 eine der letzten Vorstellungen im Metronom-Theater in Oberhausen zu besuchen – eine herausragend gute Inszenierung!

Das Musical erzählt in zwei Akten die Geschichte eines Professors, der in Transsilvanien auf einer Forschungsreise auf der Suche nach Vampiren unterwegs ist. Er quartiert sich in einem Gasthof ein, in dem die schöne Wirtstochter Sarah lebt.

In der Nähe des Wirtshauses gibt es tatsächlich Vampire. Diese leben in einem Schloss, welches dem Grafen von Krolock gehört, der selbst ein Auge auf sie geworfen hat. Sarah wiederum scheint gerade der Pubertät zu entwachsen und sich auf die Suche nach Freiheit und etwas Neuem begeben zu wollen. Zu Beginn des zweiten Akts begegnet Sarah dem Grafen von Krolock, der sie in sein Schloss gelockt hat.

Oberflächlich könnte die Bedeutung der Szene in der Klärung einer Liebesbeziehung liegen. Ich sehe darin noch eine weitaus tiefere Ebene: Im übertragenen Sinn stellt diese Szene für mich unfassbar gut die Begegnung eines Menschen mit seiner Angst dar.

»Manchmal in der Nacht fühl’ ich mich einsam und traurig …«

Diese Begegnung ist in der Szene »Totale Finsternis« in der Hamburger Aufführung von Tanz der Vampire sehr schön eingefangen:

Zu sehen ist eine erste leise Wahrnehmung, gefolgt von Selbstgesprächen. Sarah ringt darin mit sich und ihren widersprüchlichen Gefühlen. Die Angst in Form des Grafen kommt Stück für Stück näher und bringt ihrerseits Inhalte und Argumente ein. Sarah könnte hier für den bewusst wahrnehmenden Menschen stehen, Graf von Krolock abstrakt für die Angst und das Ungewisse jenseits der eigenen bisherigen Komfortzone.

Im weiteren Verlauf betrachtet Sarah die Angst näher. Sie ist hin- und hergerissen zwischen Gefühlen von Angst, Abgrund und Verlust auf der einen Seite und Gefühlen von Sehnsucht, Freiheit, Wahrheit und Erkenntnis auf der anderen Seite. Schließlich ergibt sich Sarah der Angst und dem Grafen, der plötzlich zögert zuzubeißen.

Für alle, die das Musical noch nicht kennen, möchte ich das Ende hier nicht spoilern.

Sarah scheint hin- und hergerissen zwischen dem Alten – das arbeits- und entbehrungsreiche Leben im elterlichen Wirtshaus - und dem Neuen – ein Leben in einem Schloss, gemütlichen Kerzenleuchtern, großen Himmelbetten, schönen Kleidern und tollen Bällen mit Musik und Tanz mit anderen verrückten Vampiren.

Kennen wir dieses Hin-und-hergerissen-Sein nicht alle? Das Gefühl, das immer dann in uns aufsteigt, wenn wir unseren Komfortbereich verlassen dürfen, sollen oder gar müssen. Jedes Mal spielt sich in uns die Szene zwischen Sarah und dem Grafen ab. »Schön wäre schon …, aber was, wenn …?« Es kommt dann zu einer Begegnung mit unserer Angst.

»Tauch mit mir in die Dunkelheit ein …«

Die Angst ein sehr wertvolles Gefühl. Sie weist uns darauf hin, jetzt besonders achtsam zu sein. Problematisch sind jedoch Ängste, wenn sie nicht aktuell sind, wenn wir sie verdrängen oder sie uns unbewusst sogar steuern und Entscheidungen über den Gang unseres Lebens treffen – ohne dass wir davon etwas mitbekommen.

Wie geht Sarah in dieser Szene mit der Angst um? Sie wendet drei hilfreiche Schritte an, die wir uns abgucken können:

  1. Wahrnehmen der Angst: Sarah hört gleich zu Beginn die leise innere Stimme und wendet sich ihr direkt zu. Sie nimmt die Angst achtsam wahr und läuft weder in Panik davon, noch greift sie die Angst schreiend, kratzend und spuckend an.
  2. Analysieren und Besprechen der Angst: Sarah diskutiert mit sich und der Angst eine Art »Für und Wider«. Sie stellt sich dabei ihren bisherigen und zukünftigen, teils auch gegensätzlichen Gefühlen.
  3. Reagieren: Erst danach reagiert Sarah. Sie legt ihr Tuch ab und wendet der Angst ihren freigelegten Hals zu.

»Ich bin zum Leben erwacht – die Ewigkeit beginnt heut’ Nacht …«

Das Geheimnis ist, immer zunächst eine Art Spalt zwischen einem Angst-Trigger und der folgenden Reaktion zu öffnen. Nur in diesem Spalt können wir der Angst begegnen und Gefühle vollständig erleben. Auf diese Weise lässt sich die Reaktion im besten Sinn für unser Dasein steuern.

Wenn wir es mit den drei Schritten wie Sarah machen, können wir unsere Ängste besser managen und bessere Entscheidungen treffen. So trainieren wir, noch häufiger unseren Komfortbereich zu verlassen und dadurch immer weiter zu wachsen.

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